Ozempic, Wegovy, Mounjaro, Saxenda — diese Namen sind weit über die Arztpraxis hinaus bekannt geworden. GLP-1-Analoga (Glucagon-Like Peptide-1) stellen einen der bedeutendsten pharmakologischen Fortschritte der letzten dreissig Jahre in der Endokrinologie dar. Im Dezember 2025 widmete die WHO ihnen ihre ersten globalen Leitlinien und erkannte ihre Rolle bei der Bekämpfung der weltweiten Adipositas-Epidemie an.[1]
GLP-1 ist ein Peptidhormon, das von den L-Zellen des Dünndarms als Reaktion auf Nahrungsaufnahme ausgeschüttet wird. Synthetische Analoga reproduzieren und verlängern seine natürliche Wirkung.
Was GLP-1-Analoga von anderen Antidiabetika unterscheidet: ihre Wirkung ist multisystemisch. Sie senken nicht nur den Blutzucker — sie wirken gleichzeitig auf Pankreas, Gehirn, Leber, Magen und das kardiovaskuläre System.
| Wirkstoff | Handelsname | Indikation | Gewichtsverlust | Frequenz |
|---|---|---|---|---|
| Semaglutid | Ozempic® / Wegovy® | T2D / Adipositas | ~15–21% | 1×/Woche |
| Tirzepatid | Mounjaro® | T2D / Adipositas | ~16–22% | 1×/Woche |
| Liraglutid | Victoza® / Saxenda® | T2D / Adipositas | ~5–8% | 1×/Tag |
| Dulaglutid | Trulicity® | T2D | ~3–5% | 1×/Woche |
* Gewichtsverlust in % des Ausgangsgewichts in den Pivot-Studien · T2D = Typ-2-Diabetes
Im Februar 2026 wurde eine neue Wegovy®-Dosis (Semaglutid) von 7,2 mg zugelassen. Die STEP-UP-Studienergebnisse zeigen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 21% des Ausgangsgewichts in 72 Wochen — bessere Ergebnisse als bei früheren Dosen.[4]
Die WHO veröffentlichte im Dezember 2025 ihre ersten Empfehlungen zur Verwendung von aGLP-1 bei Adipositas. Die Empfehlung ist konditional — Langzeitdaten bleiben begrenzt. Adipositas betrifft mehr als eine Milliarde Menschen weltweit und verursachte 2024 3,7 Millionen Todesfälle.[1]
Eine grosse Meta-Analyse im BMJ Anfang 2026 (37 Studien, 9 341 Teilnehmer):[3]
Praktische Konsequenzen
GLP-1-Analoga heilen Adipositas nicht — sie behandeln sie, solange sie eingenommen werden. Das Absetzen muss mit dem Patienten vorausgedacht werden, mit einem Ernährungs- und Bewegungsplan.
GLP-1-Rezeptoren sind im mesolimbischen System des Gehirns vorhanden — im Zentrum der Belohnungs- und Suchtschaltkreise. Tierstudien und klinische Beobachtungen deuten auf eine Reduktion des Verlangens nach Alkohol, Tabak und bestimmten Drogen hin.[5] Klinische Studien laufen.
Lesen Sie auch unseren Artikel zur automatischen SOAP-Notiz mit KI für die Dokumentation dieser Konsultationen.
Werden GLP-1-Analoga in der Schweiz vergütet?
In der Schweiz werden GLP-1-Analoga durch die Grundversicherung (KVG) bei unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes unter bestimmten Bedingungen vergütet. Für Adipositas variiert die Situation je nach Kanton und Zusatzversicherung. Swissmedic hat Zulassungen für Ozempic®, Wegovy®, Victoza®, Saxenda® und Mounjaro® erteilt. Für aktuelle Vergütungsbedingungen konsultieren Sie die Spezialitätenliste (SL).
Was tun, wenn ein Patient die GLP-1-Behandlung abbricht?
Eine 2026 im BMJ veröffentlichte Meta-Analyse (37 Studien, 9 341 Teilnehmer) zeigt: Nach Behandlungsabbruch beträgt die durchschnittliche Gewichtszunahme etwa 0,4 kg pro Monat, mit einer Rückkehr zum Ausgangsgewicht nach durchschnittlich 1,7 Jahren. Kardiometabolische Marker kehren nach etwa 1,4 Jahren zurück. Der Abbruch sollte daher mit verstärkter Ernährungs- und Bewegungsbegleitung antizipiert werden.
Können aGLP-1 Suchterkrankungen behandeln?
Das ist ein ernsthafter Forschungsansatz, der sich noch in der klinischen Erprobungsphase befindet. GLP-1-Analoga wirken auf GLP-1-Rezeptoren im mesolimbischen System, das an Belohnungs- und Suchtschaltkreisen beteiligt ist. Tierstudien und klinische Beobachtungen bei Diabetiker- und Adipositaspatienten deuten auf eine Reduktion des Verlangens nach Alkohol, Tabak und bestimmten Drogen hin. Spezifische klinische Studien laufen. Derzeit gibt es keine offizielle Indikation für Suchterkrankungen.
Was sind die häufigsten Nebenwirkungen?
Die häufigsten Nebenwirkungen sind gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (vor allem zu Beginn der Behandlung, besonders bei zu rascher Dosissteigerung). Diese sind in der Regel vorübergehend und bei langsamer Titration gut beherrschbar. Seltener: Pankreatitis (Vorsicht bei Vorgeschichte), Gallenprobleme. Neu in der Überwachung: nicht-arteritische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) — bisher sehr selten, aber in RCPs von Semaglutid-Produkten aufzunehmen.
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